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SPRACHMEUCHELEIEN
 

Ich gestehe.

Ja, ich gebe es gern zu: Ich mag die deutsche Sprache (bei weitem nicht alle Journalisten tun dies), ich schätze ihre Präzision und die vielfältigen Ausdrucks- und Nuancierungsmöglichkeiten, die sie bietet. Um so mehr bekümmert es mich, wie sorglos zunehmend mit ihr umgegangen wird.

Da wäre zunächst die unsägliche Rechtschreib"reform", mit der profilierungssüchtige Kultusminister und "Sprachexperten", die auf einen Eintrag im Sprach-Geschichtsbuch hofften, sich daran gemacht haben, dem Volk in vordemokratischer Hybris per ordre de mufti vorschreiben zu wollen, wie es fürderhin zu schreiben habe.

Doch das ist bei weitem nicht die einzige Gefahr für die deutsche Sprache; allerorten bedrohen Unkenntnis, Ignoranz und schlichte Doofheit sie in ihrer Integrität, wenn nicht gar ihrer Existenz. Zum Glück gibt es aber wackere Kämpfer, die sich publizistisch für den Erhalt der deutschen Sprache engagieren und gegen wuchernde Anglizismen, Deppenapostrophe und ähnliche Katastrophen angehen.


 

Der Zwiebelfisch
Wegen besonderer Verdienste als erstes zu nennen ist hier Bastian Sicks Sprachpflegerkolumne, die in unregelmäßigen Abständen in "Spiegel online" erscheint. Immer wieder erhellend und von erfreulicher Gnadenlosigkeit gegen jedwede Form der Sprachpanscherei, setzt Sick die Tradition von Eike Christian Hirschs legendärem "Deutsch für Besserwisser" fort, das, die Älteren werden sich erinnern, einstmals im "Stern" zu lesen war.


 

Die Apostrophenkatastrophe
Geradezu epidemisch breitet sich im deutschen Sprachraum der sogenannte "Deppenapostroph" aus. Ob die's am zunehmenden Einfluß des Englischen bei Kid's und Elter'n liegt, ob die oft beklagte Bildung'skatastrophe Schuld daran ist oder der Einfluß des Fernsehen's - ich weiß es nicht und, ehrlich gesagt, es ist mir auch egal. Diesem Unwesen muß ein rasches Ende gemacht werden und die nachfolgend aufgeführten Seiten tragen ihr Scherflein dazu bei:

Zwiebelfisch: Deutschland, deine Apostroph's
Zwiebelfisch: Nur von Montag's bis Sonntag's
Deppenapostroph
Apo'strophenalarm
Die Apostroph-S-Haßseite
Das Kapostropheum
Rettet den Apostroph!


 

Leere - nicht nur in den Köpfen
Kaum trägt der Kampf gegen den Deppenapostroph erste Früchte, macht sich eine neue Plage auf, der deutschen Sprache den Garaus zu machen: Das Deppen Leer Zeichen. Auch hier ist die Ursache unbekannt, doch steht das im Zuge der Recht Schreib Reform entstandene Durch Einander um die Zusammen und Getrennt Schreibung in dringendem Verdacht, maßgeblich zur Verbreitung dieses Virus beizutragen. Doch zum Glück ist auch hier Hilfe in Sicht:

Zwiebelfisch: Dem Wahn Sinn eine Lücke
Deppenleerzeichen
Wikipedia - Agovis
Die Agopunktions-Galerie


 

Grassierende Konjunktose
Verbindungen sind eigentlich was Schönes - sie, äh, nun ja, verbinden, sie bringen Menschen zusammen und tun damit ein eigentlich gutes Werk. Weniger schön wird es, wenn Zusammengehörendes gewaltsam auseinandergerissen und durch einen Divis (vulgo: Bindestrich) nur notdürftig zusammen-gehalten wird. Zu sehen an unzähligen Sport-Studios, Spiel-Salons, Café-Häusern oder auch Verpackungen von Orangen-Saft und Kartoffel-Chips. Diese Sprachseuche hat sich bislang noch nicht epidemisch ausbreiten können, was daran liegen mag, daß der Bindestrich oftmals gleich ganz ausgelassen wird, was dann zu dem einen Absatz weiter oben beschriebenen Phänomen führt. Widerstand formiert sich dennoch, wenn auch bislang eher zaghaft:

Post an den Zwiebelfisch


 

Standarten setzen!
Aus gelegentichem Aufenthalt in diversen Internetforen erwuchs in mir eine tiefsitzende Abneigung gegen die immer weiter verbreitete Falschschreibung "Standart". Eine Google-Suche am 6. Mai 2005 ergab rund 1.080.000 Fundstellen, am 15. Juli 2006 waren es bereits 2.590.000, mittlerweile ist die 5,5-Millionen-Marke bereits lässig überschritten - schauen sie doch mal selbst nach, wieviele "Standarts" sich inzwischen im Netz tummeln! Auch hier ist, von einer Messebaufirma mit dem Namen "StandArt" abgesehen, völlig unersichtlich (und unerheblich), woher diese epidemische Falsographie stammt - wie die vorgenannten gehört auch sie ausgemerzt. Die ersten Merzer haben sich dankenswerterweise bereits gefunden:

Der neue Standard (manchmal hilft nur noch bittere Ironie...)


 

Drangsalierungen
In letzter Zeit wird der nichts Böses ahnende Leser (und auch Hörer) immer häufiger mit der Behauptung überfallen, dieser oder auch jener Politiker, Funktionär oder sonstiger Wichtigtuer habe auf irgendwas, gern auf die Einhaltung der Menschenrechte, die Erhöhung oder Senkung von Steuern oder auch nur auf rasche Entscheidungen "gedrungen", was auch in der Perfektform "er drang darauf..." nicht schöner wird.
Hierbei verwechseln Nachrichtenmacher und -vermittler aus unerfindlichen Gründen die doch eigentlich grundverschiedenen Verben "drängen" und "dringen", welchletzteres "durch etwas hindurch gelangen" bedeutet und daher nur als "eindringen" oder "durchdringen" Sinn ergibt. Dennoch dringen anscheinend Massen von Menschen fleißig auf dies und das anstatt darauf zu drängen und in der Vergangenheit drangen sie darauf, anstatt daß sie darauf drängten.
Ganz Schlaue werden jetzt auf das Grimm'sche Wörterbuch verweisen, das zum Beispiel die Wendung "leute zu dringen die sünde namhaftig zu machen" verwendet, aber mal ehrlich: Da stehen haufenweise Formulierungen drin, die heute kein Texter, der sich eines klaren Geistes rühmt, mehr benutzen würde.
Mich jedenfalls erfaßt, wenn ich Derartiges zu lesen oder hören gezwungen bin, stets der Drang, in die jeweilige Redaktion einzudringen, mich durch die anwesenden Mitarbeiter zu drängeln und den zuständigen Redakteur von seinem Schreibtisch zu verdrängen, um von dort aus auf die korrekte Verwendung dieser Verben zu drängen, und zwar dringend. Aber vermutlich würde die daraus resultierende Nachricht letztlich nur lauten, "Irrer drängte in unsere Redaktion ein"...
Leider hat der allzu wendige Duden, der noch jeden Unfug als richtig hingestellt hat, wenn er nur oft genug wiederholt wurde, auch diesen Sprachmüll mittlerweile sanktioniert, was einige wackere Streiter jedoch nicht davon abhält, das Thema weiterhin zu diskutieren, wenn auch nicht immer mit dem meinem Sprachgefühl entsprechenden Ergebnis:

Zwiebelfisch: dringen/drängen
Wer weiß was?
Forum Deutsch als Fremdsprache
Der hier findet "dringen" in diesem Zusammenhang sogar "stilvoller" - was einiges über sein Stilgefühl aussagt



 

Weitere Sprachmeucheleien (insbesondere Anglizismen) und Hinweise auf Seiten, die dagegen ankämpfen, folgen demnächst.